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  • Simon Rivière

Der große innere Stopp

Was auch immer kollektiv in einer Zeit des großen Umbruchs wie gerade geschieht, es geschieht vor allem IN DIR! Und gerade jetzt finden wir oft schmerzlich heraus, wo wir selbst im Leben stehen.


Denn in einer solchen Zeit mit so großen Veränderungen werden wir immer auch auf uns selbst zurückgeworfen. Es ist so, als ob jemand eine riesige Stopp-Taste drückt. Und plötzlich wird alles still um uns herum. Jede Ablenkung verschwindet, unsere Gewohnheiten werden sinnlos, weil sie nicht mehr gepflegt werden können. Das was schließlich bleibt, bist wir selbst. Deine eigene Identität. Und das kann Vieles bedeuten. Der Bogen zwischen totaler Fülle und totaler Leere ist groß.


In einer Zeit wie gerade eben wird vielmehr klar, dass wir nichts mitnehmen können an materiellen Dingen. Dass jederzeit ein großer Stopp kommen kann und die Zeit vorbei sein kann. Was bleibt dann übrig, wenn wir alles im Außen von uns wegnehmen? Jede Ablenkung und alles woran wir uns heften? So eine Krise kann immer ein Chance sein für uns. KANN! Muss nicht! Das darf jeder selbst entscheiden.


Ich selbst hatte schon viele Illusionen, woran meine Identität überall hängen würde. An Erfolg, an Familie, an Beziehung, an Arbeit, an Gesundheit. Da gab es viele Ideen und Hoffnungen. Und jedes Mal war es ein kleiner Tod für mich, wenn genau das weggebrochen ist, worin ich mich gesehen habe. Ich dachte, das im Außen bin ich! Wenn das geschieht, dann erst kann ich glücklich sein. Wenn dieser Erfolg eintritt, dann erst bin ich wer. Doch dann wurde mir immer wieder genau das, was mir besonders wichtig war, quasi über Nacht weggerissen.

Warum erwähne ich das? Weil ich weiß, dass es weitergeht. Egal was weg fällt. Es wird immer eine veränderte neue Form entstehen. Und genau auf das können wir uns einlassen. Auf diesen Prozess. Wenn etwas geht, dann tut das weh. Es bricht auf, es schmerzt, es ist wie eine Wunde, die zu eitern beginnt und wir sind teilweise völlig gelähmt.


Aber der nächste kleine, annehmbare Schritt wird kommen. Immer. Und wir können genau dann erkennen, dass wir trotzdem noch da sind. Als Person, als Identität und als Mensch. Auch wenn das, woran wir uns 100% gehängt haben, plötzlich weg ist. Die Dinge gehen immer wieder und wandeln sich ständig, auch wenn es so nicht immer gleich ersichtlich ist. Doch es gibt etwas in uns, unseren unversehrten Kern, der nicht angreifbar ist, der unbeeindruckt bleibt und der weiß, dass er nichts sonst braucht. Wenn wir diesem Kern Stück für Stück näher kommen, finden wir tiefen Frieden und Freude in uns.


Es ist eben ein Prozess, der sich durchs ganze Leben zieht. Und der ist oft schmerzhaft. Dieser Weg wird oft erst überhaupt durch Schmerz ausgelöst, weil wir sehen, dass es offenbar so nicht mehr weitergehen kann oder wir nicht mehr so wollen. Und wir fragen uns wie man eigentlich zu sich selbst finden kann.


Es geht. Mit einem ersten Schritt. Und es ist vorerst nur einmal die Entscheidung dafür. Für mich, für dich, für uns! Die Entscheidung, mir näher kommen zu wollen und einen anderen Weg als den bisher zu wählen. Einen zu uns selbst hin. Der alte Weg, wo nur das Außen zählte, ist langsam vorbei. Eine neue Zeit darf nun kommen. Eine Zeit, in der wir in unseren menschlichen Werten zählen und wie qualitativ unsere Beziehung zu uns selbst ist.


Wenn die große Stopp-Taste gedrückt wird, lösen sich viele Dinge auf, wird Vieles ungewiss, was vorher sicher erschien. Wenn wir ehrlich sind, ist nichts sicher im Außen. Eines können wir aber unwiederbringlich sagen und uns gewiss sein: die Beziehung zu uns selbst, die Entscheidung für uns und unser Leben, das kann uns niemand nehmen. Auch nicht die große Stopp-Taste.



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